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Maserati Ghibli – Sportwagen mit vier Türen


Ich war gerade einmal acht Jahre alt, als auf dem Turiner Autosalon der erste Ghibli von Maserati enthüllt wurde – ein Grand Tourer, welcher im Hause Maserati seit 1947 Stil, Luxus und Komfort vereint.

Mit offenem Mund sehe ich ein markantes Statement, elegant verpackt und alles andere als gewöhnlich. Ein edler Dreizack krönt die Front. Alleine schon der Name spricht sich aus, als ob Neptun mit seinem Herrschersymbol jederzeit die Wasseroberfläche des Mittelmeeres durchtrennt. Das Radio spielt „Bello e impossibile“ der Rockgöre Gianna Nannini, die Sonne blinzelt am Horizont und spiegelt sich im Mittelmeer. Mit einem Maserati Ghibli beginnt jeder Morgen immer mit diesem Ritual im Kopf, da kann es draussen noch so kalt und windig sein. Ein Maserati ist ein italienisches Auto, und wer sich ein wenig seiner Phantasie hingeben kann, fühlt sich spätestens beim Einsteigen um einige hundert Kilometer in den Süden Europas versetzt. Die Silhouette des eleganten Viertürers vermittelt Emotionen, dass man unbedingt das Auto im Original sehen muss. Als Fahrzeuge, die von der Maserati Motorsport-DNA durchdrungen sind, verkörpern die neuesten Ghibli Modelle jenen Geist, der die erste Inkarnation von 1966 prägte. Es ist das Streben nach Innovation, Wettbewerb und Sieg. Das bedeutet Luxus, ein elegantes und gleichzeitig ausdrucksstarkes Design sowie fortschrittliche Technologien – und natürlich Leistung und ausreichend Kraft.

Der Ghibli S SQ4 des Modelljahres 2019 ist in den Varianten GranLusso und GranSport erhältlich – beide individuell und vielseitig nach persönlichen Wünschen der Kunden konfigurierbar. Ich stehe vor dem GranLusso, öffne die Tür und die Angespanntheit und Freude setzt sich glücklicherweise im Innenraum fort. Hochwertigste Materialien wechseln einander ab, das offenporige Edelholz Radicaist eine Schau, es konkurriert allenfalls mit den schwarzen Seideneinsätzen von Ermenegildo Zegna auf Sitzen und Türverkleidungen sowie dem fein gestickten Dreizack aller vier Kopfstützen.Der Ghibli GranLusso besitzt 19-Zoll-Leichtmetallräder, schwarze Bremssättel sowie Parksensoren vorn und hinten. Zwölffach einstellbare Sitze, Softclose-Türen und vieles andere mehr ergänzen die Ausstattung dieser Modellvariante.

Powertrain

Erwartungsvoll drücke ich den Anlasser und erfreue mich ob des orchestralen Sounds des kleinen Dreiliter-Biturbo-V6, mit dem Wissen, dass 430 wilde Calabreser Warmblüter unter der Haube loslegen wollen. Die 580 Newtonmeter Drehmoment liegen ab 2250 U/min an. Ein leichter Gasfuss ist also gefragt – sollte man denken. Tatsächlich ist aber auch ein ungeduldiger Bleifuss in engen Kurven kein Problem, denn der Ghibli S verfügt über das Q4-Allradsystem. Eine Entwicklung von Magna Powertrain, die im Vergleich zum heckgetrieben Ghibli nur 60 Kilogramm mehr wiegt. Nichts desto Trotz geht es vorwärts. Auf der Fahrbahn mit ständig wechselnder Oberfläche ringen die Reifen um Traktion. Insbesondere wenn 430 PS mit einer Bewegung des rechten Fusses für Vortrieb sorgen. Bis zu 50 Prozent der Kraft werden je nach Bedarf über eine Lamellenkupplung an die Vorderachse geschickt. Ist der Q4 dadurch zum untersteuernden Spassverderber geworden? Ganz im Gegenteil. Selbst der Versuch, dem Maserati dieses Rutschen über die Vorderräder mit Gewalt zu entlocken, misslingt. Die holprige Asphaltbahn windet sich unter den Pirelli-Reifen. Schnelles Lenken durch eine S-Kurve, dann bremsen, hinein in die Spitzkehre. Eigentlich ist die Geschwindigkeit viel zu hoch. Kurz ruckt die 1870 Kilogramm schwere Limousine, dann greifen die Gummis auf dem Asphalt und der Wagen zieht entlang der verblassenden Strassenmarkierung. Auf Pedaldruck rutscht nicht die Front des Dreizacks, sondern das Heck. Nicht viel und auch nur kurz. Es ist kein Moment des Entsetzens, als hätte man beim Treppengehen eine Stufe verpasst, sondern einer, der ein Grinsen über das Gesicht huschen lässt. Cool.

ZF-Achtgangautomatik schaltet sanft im Maserati Ghibli S Q4

Ein Zug an der rechten Schaltwippe der sanft schaltenden ZF-Achtgangautomatik. Dritter Gang. Die sechs Zylinder brummen vor sich hin, dröhnen beinahe dumpf im Innenraum. Zurück in den Zweiten. Ein kurzes Aufbrüllen. Nicht laut – irgendwie weit entfernt. Selbst oberhalb von 5000 U/min. dringen die Motorgeräusche nur leise ins Innere. Erst im Tunnel und bei geöffnetem Fenster wird dem Fahrer klar: Der Ghibli SQ4 kann doch Krach machen. Allerdings ohne den Fahrer anzuschreien. Nur die Umgebung. Zu stören scheint das niemanden. Jedenfalls nicht über Land. Am Strassenrand wird schon mal ein Daumen gehoben. Der Kleine Q4 hat eben einen ganz eigenen Charme.

Fazit

Der Ghibli S ist ein Auto für Individualisten. Ein Sportwagen, der für den deutschsprachigen Markt der Selbstfahrer eigentlich ideal ist. Ein Auto, das eine gewisse Ausstrahlung und Charakter hat, welche sich nicht mit der C-Klasse und Co. vergleichen lassen. Seinen italienischen Chic kann eben nicht jeder tragen. Und das ist gut so. Es ist ein echter Maserati, der zurecht den Dreizack mit Stolz tragen darf. Benissimo.

Facts:

Länge:4971mm

Breite:1945mm

Höhe:1455mm

Kofferraum:500l

Tankvolumen:80l

Trockengewicht:1770kg

#Auto #Sportwagen

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Kontakt: Daniel Jauslin | Unterer Rütschetenweg 25B | CH-4133 Pratteln | blog [at] jauslin.net