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Ticino 365 – auf dem Weg zur Ganzjahresdestination

Dank attraktiver Herbst- und Winterangebote bleibt das Tessin auch bei wechselnden Klimabedingungen interessant. Wir verbrachten bereits 2024 die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr im Tessin. Begeistert, wie besonnen und attraktiv das Angebot ist, haben wir zwölf Monate später das Ticino erneut besucht und sind da capo begeistert.


 

Die Südspitze der Schweiz bietet in der Wintersaison herrliches Wetter, gepaart mit freundlichen Menschen und bester Infrastruktur, zu durchwegs erschwinglichen Preisen. Kultur-, Genuss- und Aktivtourismus ziehen Gäste an, welche nicht gänzlich auf Sommerferien angewiesen sind. Unsere Erlebnisse:

 

Auf einem von den Wassern des Lago di Lugano umspülten Vorgebirge thront das Relais Castello di Morcote – ein Refugium zeitloser Eleganz im pittoresken Vico Morcote. Das Tessiner Dorf, Hüter jahrhundertealter Traditionen, entfaltet seine aussergewöhnliche Schönheit in verwinkelten Kopfsteinpflastergassen und aristokratischen Arkaden aus der Barockzeit, die den Blick immer wieder auf das schimmernde Seepanorama lenken.


 

Das Anwesen selbst erzählt eine bewegte Geschichte: Aus einem Patrizierpalais des 17. Jahrhunderts, das später dem renommierten Southern California Institute of Architecture als europäische Dependance diente, ist ein intimes Boutique-Refugium erwachsen – eine Synthese aus herrschaftlicher Villa und modernem Hideaway. Wir Gäste erleben hier jenen seltenen Luxus der Zurückhaltung, bei dem architektonisches Erbe und zeitgenössisches Design eine harmonische Verbindung eingehen. Jede Intervention würdigt die historische Substanz mit respektvoller Leichtigkeit. Die acht individuellen Zimmer/Suiten zelebrieren natürliche Materialien – warmes Holz, patiniertes Metall, edles Leinen. In Kooperation mit dem Textilkünstler Martin Gabriel entstanden exklusive Stoffkreationen, die jedem Raum seine unverwechselbare Seele verleihen und die mediterrane Kunst des müssigen Verweilens – das «dolce far niente» – zu einem sinnlichen Erlebnis werden lassen. Wir beziehen die Loft Suite ganz oben im Haus. Ein schmucker, offener Eingang führt uns in einen Gang. Garderobe, drei Sessel und ein Sofa zieren diesen Bereich, welcher eine kleine Küchenecke beherbergt. Zwei Stufen führen ins Schlafzimmer, welches ein hartes King-Size Bett, Nachttische und einen erhöhten, nur schwer zugänglichen Schrank beherbergt. Auch hier steht ein Sessel, welcher zum Lesen einlädt. Im angrenzenden Badezimmer finden wir einen Waschtisch, Bidet und WC, sowie eine grosszügig bemessene Dusche. Zwei Stockwerke tiefer befindet sich der herrschaftliche Salon mit offenem Kamin und alter, kassettierter Holzdecke. Der intime Teesalon sowie die luftige Loggia bieten vielfältige Rückzugsorte für kontemplative Stunden – mit einem Buch, einem Glas erlesenen Weins oder einfach in stiller Betrachtung. Im mediterranen Garten öffnet sich der Blick über See und Bergkulisse. Hier, in dieser geschützten Oase, findet man zu sich selbst – ob beim Sonnenbad, in der Meditation oder beim Aperitivo im goldenen Licht der untergehenden Sonne. Der Name des Relais ehrt das Castello di Morcote, die einzige erhaltene mittelalterliche Festungsanlage der Region Lugano und das historische Herz der hauseigenen Tenuta – ein Weingut, das Tradition, Boden, Klima und Lage in jedem Tropfen bewahrt. Dieses Gut eröffnet eine Welt sinnlicher Entdeckungen – eine Liaison aus önologischer Finesse, kulinarischer Exzellenz und unberührter Naturschönheit. Weinliebhaber begeben sich auf kuratierte Degustationen durch die bedeutendsten Crus der Region, während das mittelalterliche Castello, eingebettet in terrassierte Rebhänge über dem See, seine jahrhundertealte Geschichte offenbart. Im Zimmer wartet ein PIN für das Portal des Weingutes, um es slbständig besichtigen zu können. Cool. Die Landschaft selbst wird zum Erlebnisraum: Sanfte Wanderungen führen durch weitläufige Almwiesen und lichtdurchflutete Buchen- und Kastanienhaine. E-Mountainbikers stossen auf ein verzweigtes Wegenetz mit immer neuen Panoramen, während der See zu Entdeckungen per Boot, Kajak oder Stand-Up-Paddle einlädt – jede Aktivität ein Dialog mit der Tessiner Naturkulisse.

Das Relais Castello di Morcote versteht sich zugleich als Refugium für anspruchsvolle Zweisamkeit. Das Personal ist durchgehend freundlich, hilfsbereit, aufmerksam und emsig. Sogar ein Aufzug wurde bei der feinfühligen Rennovation eingebaut. Hier findet sich jene rare Kombination aus absoluter Diskretion, aristokratischer Ruhe und authentischem Genuss – voller regionaler Gaumenfreuden, erlesenen Weinen und einer Landschaft, die zu den bezauberndsten der Südschweiz zählt. Ein Ort, der Intimität nicht nur verspricht, sondern zelebriert. Einzig das Parkhaus ist relativ weit entfernt und der Anstieg für betagte Gäste anstrengend.


 

Das Ristorante La Sorgente residiert im Herzen des Relais und inszeniert kulinarische Momente von seltener Intensität – wahlweise in den geschichtsträchtigen Salons oder auf der Panoramaterrasse, wo der Blick über den Luganer See schweift. Der junge Küchenchef Francesco Sangalli kultiviert eine Philosophie der radikalen Regionalität. Seine Küche basiert auf einer engen Allianz mit lokalen Produzenten und Kleinbauern, deren exzeptionelle Erzeugnisse er mit archaischen wie avantgardistischen Techniken veredelt: offenes Feuer, Holzkohleglut, kunstvolle Räucherverfahren. So entsteht eine zeitgenössische Haute Cuisine, die Nachhaltigkeit nicht als Konzession, sondern als ästhetisches Prinzip begreift – eine Gastronomie im Dialog mit Terroir, Jahreszeit und ökologischem Gewissen, welches mit 14 Gault-Millau Punkten ausgezeichnet ist. Francesco trumpft mit selbstgemachten Chips mit Safran, Roter Bete und Naturale auf. Selbst die Grissini al Limone mit Fenchelsamen sind frisch und munden herrlich. Wir geniessen Saibling auf geräuchertem Mozzarella, Rehtartar, Kalbfleisch Ravioli an einer perfekten Reduktion, welche 48 Stunden eingekocht wurde. Frische Spaghetti mit Seefischsud und Abrieb einer schwarz geratenen Orange – welch Kombination. Zander in viel Butter gebraten mit Cima di Rapa, einem köstlichen italienischen Wintergemüse. Rosa gebratenes Black Angus mit Johannisbeeren und dick eingekochtem Sherry Ketchup. Zum krönenden Abschluss Moscato Traubencreme mit Erdbeereis. Diese Küche ist einzigartig und durchgehend ein Genuss.


 

Vergangenes Jahr wurde dem Boutique-Refugium erneut die prestigeträchtige Key-Auszeichnung des Guide Michelin verliehen – jenes Gütesiegel, welches die Exzellenz in der Hotellerie mit derselben Akribie würdigt wie die legendären Sterne die Haute Cuisine. Die „Key Hotels" repräsentieren die Crème de la Crème der Michelin-Selektion. Fünf rigorose Kriterien entscheiden über diese Ehrung: die architektonische Sprache und gestalterische Kohärenz des Interieurs, die Qualität und Verlässlichkeit des Services, die unverwechselbare Persönlichkeit des Hauses, ein ausgewogenes Verhältnis von Leistung und Gegenwert – sowie jene schwer fassbare Gabe, Aufenthalte in bleibende Erinnerungen zu verwandeln und dabei die Einzigartigkeit des Ortes spürbar werden zu lassen.


 

Ende Oktober bis Ende März lädt in Tenero der „Sentiero delle Rive“ entlang dem Lago Maggiore zum Spaziergang ein. Eine erbauliche Uferpromenade zwischen Lago und Verzasca – ein Naturerlebnis, das sich gleichermassen für Familien wie für anspruchsvolle Spaziergänger eignet. Der Weg folgt dem Seeufer und begleitet den Flusslauf, wobei sich auf 4,5 Kilometern immer neue Panoramen entfalten. Kulinarische Erfrischung bietet ein Foodtruck (nur Barzahlung) am Bagno Pubblico in Tenero, der «Wake Inn Winter Edition», wo sich auch sanitäre Einrichtungen befinden. Entlang der Strecke laden weitere gastronomische Adressen zur Einkehr, vor allem am Anfang/Schluss des Spaziergangs das Ristorante L‘Approdo. Wir empfehlen nur entlang des Sees und wieder zurück zu laufen. Die Strecke entlang der Verzasca ist mühsam und nicht wirklich schön. Hunde sind an der Leine willkommen – nur haltet sich ausnahmslos niemand an diese Vorschrift. Schade.


 

Das Termali Salini & Spa Locarno vereint zwei scheinbar widersprüchliche Qualitäten: Es ist zugleich Ort der Begegnung und Refugium absoluter Kontemplation. Seine Singularität verdankt das Ensemble der privilegierten See Lage und einer Architektur, die sich von den Tessiner Flusstälern inspirieren lässt – eine zeitgenössische Interpretation aus Nischen, Grotten und Wasserkaskaden, die stets den Dialog mit dem unvergleichlichen Panorama sucht. Auf der offenen Terrasse, verbreitet sich uns ein Gefühl grenzenloser Weite – der Blick verliert sich zwischen See und Bergsilhouetten. Im Kontrast dazu inszeniert die vielschichtige Saunalandschaft im Untergeschoss eine aquatische Parallelwelt, in der wir uns als Teil einer mythischen Unterwassersphäre wähnen. Anders als konventionelle Thermen entfaltet sich dieses SPA nicht nur horizontal, sondern vor allem vertikal. Wir Gäste bewegen uns kaskadenförmig zwischen den Ebenen, tauchen ein und auf, erleben Raumsequenzen von intimer Geborgenheit bis zu weitsichtiger Offenheit. Im Aussenbereich lädt die natürliche Sole zum Bad unter freiem Himmel, während das hauseigene Bistro mit leichten Gaumenfreuden und vitalen Häppchen verwöhnt – stets begleitet von jener Aussicht, die uns immer wieder aufs Neue zu verzaubern weiss.


 

Während sieben Wochen zwischen November und Januar kommt Leben auf die Piazza Grande von Locarno. Es war einmal – oder vielleicht ereignet es sich gerade in diesem Augenblick, in jener lautlosen Dimension ausserhalb der messbaren Zeit – da lebte in Locarno ein weissbärtiger Uhrmacher. Sein Name war Maestro Elia, und seine Werkstatt lag verborgen unter dem mächtigen Gebälk eines jahrhundertealten Daches, mit Blick auf die Piazza Grande. Dort, zwischen filigranen Zahnrädern und wandernden Zeigern, justierte Elia die Zeit selbst…bis hinein ins Winterland. Kunstprojektionen, Eislaufbahn, Karussell, Weihnachtsmarkt, Minigolf, Karaoke-Gondel und eine ZIP-Line, an welcher man über den Platz schweben kann. Auch die Gastronomie kommt nicht zu kurz. Mit der Ticino Card kann man kostenlos anreisen. Auch Konzerte begeistern jegliche Gäste.


 

Auch in Lugano erfreuen sich Besucher von Ende November bis Anfang Januar am Weihnachtszauber: Weihnachtsmärkte, Gastronomie-Chalets und das Family Village, welches den Kleinsten gewidmet ist. Im Parco Ciani ist eine natürliche Eislaufbahn aufgebaut, und zusätzlich das neue Eis-Minigolf. Ein riesiger Weihnachtsbaum schmückt die Piazza della Riforma.


 

Just beim Parco Ciani offenbart sich ein gastronomischer Geheimtipp. Das Ciani Lugano. Chef Dario Ranza zaubert köstliche Gerichte auf den Teller. Wir sind hell begeistert ob seiner Kunst, Gäste in Bann zu ziehen.



Zwischen Themse und Donau – eine Soirée im Salon des Hotel Splendide Royal lässt London und Wien aufeinandertreffen und fasziniert uns. Seit über einem Jahrhundert zelebriert das Haus die Kunst des klassischen Afternoon Tea nach britischer Tradition. Die Luganeser Interpretation setzt einen besonderen Akzent: mit der originalen Wiener Sachertorte – jener legendären Verführung aus Schokolade und Aprikose, die Konditoreigeschichte schrieb. Auch die klassische Variante ist nicht mehr traditionell, denn die bekannten, leichten Sandwiches müssen neuen, leckeren Auslegungen auf der Étagère weichen. Mit Queen Anne etablierte sich der Afternoon Tea, um die Wartezweit auf die Abendmahlzeit zu verkürzen. Seit jeher dient die gemütliche Auszeit mit salzigen Genüssen und süssen Desserts als ausgewogene Zwischenmahlzeit.

 

Das Ticino hat den Weg angebahnt, eine Destination während 365 Tagen im Jahr zu werden. Alle Vorzeichen; Seen, Berge, Hügel, Täler, Menschen, Hotels und Restaurants sprechen dafür – ebenso unsere durchwegs positiven Erlebnisse in der italienisch sprechenden Region der Schweiz.


 




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Kontakt: Daniel Jauslin | Unterer Rütschetenweg 25B | CH-4133 Pratteln | blog [at] jauslin.net

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