• Daniel & Judith Jauslin

Im Land der Trolle - Norwegens Küsten Teil 2


Die Reise

Uns wurde vom Spezialisten Glur Reisen empfohlen, die Nord- und Südroute kennen zu lernen. Wir fahren zwar grösstenteils dieselbe Strecke zurück, aber da dies zu ganz anderen Tageszeiten passiert, erstrahlen Landschaften, Fjorde und die See in einem anderen Licht. Bald schon taucht Ålesund auf dem Radar auf. Die drei Stunden „Landurlaub“ sind schnell verplant, nachdem man seit knapp 14 Stunden an Schären und Inseln vorbei geschippert ist. Die Fussgängerzone beeindruckt durch die Architektur und die zahlreichen Jugendstilhäuser. Das Jugendstilzentrum ist die alte Schwanenapotheke, welche von 1907 bis 2001 in Betreib war. Bestimmt gehört dieses Gebäude zu einem der schönsten Jugendstil Bauten in Norwegen. Nebst dem besten „Gipfeli“ welches ich je gegessen habe – und es waren derer viele – lohnt es sich auch wegen der heissen Schokolade, ein paar Minuten im hauseigenen Café zu verbringen. Durch das restaurierte ehemalige Büro des Apothekers gelangen wir ins Treppenhaus, welches in den ersten Stock und zu den Privaträumen des Apothekers führt. Ofen, Türen, Treppe, Bleiglasfenster und Deckenleisten sind original erhalten.

Am nächsten Morgen legen wir in der Königsstadt Trondheim an. Die Stadt wurde 997 vom Wikingerkönig Olav Tryggvason gegründet und ist nach Olso und Bergen die drittgrösste Stadt des Königreiches. Mit der Kamera bewaffnet gehen wir vom Kai aus links haltend Richtung Nedre Elvehavn, Mollen Berg und Bakk Landet. Diese Altstadtquartiere sind zauberhaft und wir könnten dort stundenlang fotografieren, in den Cafés verweilen und dem ruhigen Schlendern der Fussgänger zusehen. Die ältesten Speicherhäuser stammen aus dem 18. Jahrhundert. Sie lassen erahnen, wie die Frontseite zum Fluss früher aussah. Waren konnten direkt vom Wasser aus in die Lagerhäuser (Bryggene) gebracht werden. Übrigens fährt ein Fahrradlift, welcher Fahrer und Bike die steile Strasse nach oben schiebt, unmittelbar an der Gamle Brybo der Old Town Bridge. Die Brücke führt über den Nidelva, welchem der Dom seinen Namen verdankt: “Nidarsdom“. Er ist als weltweit nördlichste gotische Kathedrale bekannt. Im Jahr 1300 wurde der Dom in seiner vollen Pracht fertig gestellt als Hommage an König Olav, welcher das Christentum in Norwegen einführte. Das grösste Holzgebäude Norwegens dient als Residenz, wenn die königliche Familie die Stadt besucht. Die Stiftsgarden, wie die Residenz heisst, ist im Rokokostil eingerichtet. Das Stadtzentrum und unzählige weitere Highlights können nicht alle während einem Stopp besucht werden – aber vielleicht am Tag der Heimreise.

Am kommenden Morgen überqueren wir den Polarkreis. Dieser Breitenkreis in nördlicher Breite, ab welchem die Sonne in den Tagen der Sonnenwende gerade nicht mehr auf- beziehungsweise untergeht, nennen die Schweden Napapijri. Nach einem kurzen Auftritt von Neptun, dem Herrscher der sieben Meere, auf Deck 9 zeichnen sich am Horizont bereits die bis zu 1000 Meter hohen Gebirgsketten der Lofoten ab – welch ein erhabenes Gefühl, diesen imposanten Schneebergen entgegenzufahren. Der Charme der Lofoten spiegelt sich in den malerischen Fischerdörfchen mit wildromantischer Atmosphäre, majestätischen Granitfelsen und weissen Sandstränden wider. Beim Andocken in Bodø nehmen wir an einem Busausflug zum stärksten Gezeitenstrom der Welt teil. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten. Wir haben Glück, der Mond hat die Tiden optimal für uns eingerichtet und wir sehen, wie das Wasser mit einer Geschwindigkeit von bis zu sagenhaften 40 km/h durch den Saltstraumen schiesst. Durch einen 2,5 Kilometer langen und etwa 150 Meter breiten Sund strömen im Wechsel der Gezeiten fast 400 Millionen Kubikmeter Wasser zwischen dem Yttre (äußeren) Saltfjord und dem Skjerstadfjord hin und her. Der Sund befindet sich zwischen den Inseln Straumøy (im Süden) und Knaplundsoya (im Norden). In der Nacht navigiert das Schiff durch den engen Raftsund. Anschiessend geht es via der grössten norwegischen Insel Hinnøya über Finnsnes nach Tromsø.

Diese Stadt war das Tor zum arktischen Meer und schon in der Vergangenheit Ausgangspunkt zahlreicher Polarexpeditionen. Berühmtestes Wahrzeichen der nördlichsten Universitätsstadt Norwegens ist die Eismeerkathedrale mit ihrer eigenwilligen, modernen Architektur und den Glasmosaiken des auferstandenen Erlösers. Auf der Südfahrt wird als Ausflug ein Mitternachtskonzert angeboten. Dieses darf man auf keinen Fall verpassen. Die drei professionellen Musiker (Sopran, Cello, Piano/Orgel) begeistern mit einem Programm von Johann Sebastian Bach bis Edvard Grieg. Viele Lieder sind norwegischer Herkunft und für uns völlig unbekannt. Die schweren, magischen und anmutigen Kompositionen werden hervorragend interpretiert und passen traumhaft in die kleine, bizarre Ishavs Kathedrale. Beim Erkunden der Stadt ist ein Besuch des Polar Museums ein Muss. Ebenfalls hat uns das Aquarium sehr beeindruckt – unabdigbar, falls man mit Kindern jeden Alters reist. Das Biffhuset Skarven direkt am Hafen ist es wert besucht zu werden. Während dem Tag ist die Stimmung mega cool, das Essen hervorragend und abends, respektive Nachts verbreitet das Cheminée wohltuende Wärme. Bestellen Sie sich frischen Lachs und verputzen Sie ihn mit einem Glas Aquavit. Dieser Kräutertrunk ist das norwegische „Nationalgetränk“.

Das Nordkap, welches bei 71° 10’ 21’’ nördlicher Breite aus dem Ozan ragt, erreichen wir bei einem Ausflug am kommenden Tag. Von Honnigsvåg aus, dem Hafen wo die Trollfjord wie immer pünktlich anlegt, steigen wir in den Bus und fahren 33 Kilometer durch wunderbare, schneebedeckte Landschaft. Weinig Zivilisation – und umso mehr einzigartige Geschichten erfahren wir von unserem Tourguide auf der Hin- und Rückfahrt. Die letzten 13km fahren alle, die zum Nordkap möchten, hinter einem Schneepflug her. Somit wird sichergestellt, dass der einspurige Weg ausreichend befahrbar ist. Auf dem 307 Meter hohen Plateau bekommt man das unbeschreibliche Gefühl, am Ende der Welt zu sein – obwohl der geografische Nordpol immer noch rund 2’000km entfernt liegt. Das Kap wird mit einem grossen Globus gekennzeichnet, damit sich auch jeder mit dem Wahrzeichen für seine Freunde ablichten lassen kann... Samen besiedeln diesen Teil Norwegens, um die Tradition der Rentierzucht zu erhalten, welche nur von Lappen gezüchtet werden dürfen. Wir haben bei unserem einstündigen Aufenthalt alle vier Jahreszeiten mit Schnee, Wind, Nebel und Sonne erlebt.

Am nächsten Tag kommen wir in Kirkenes an, welches 30° östlicher Länge liegt. Das ist östlicher als zum Beispiel Istanbul oder St. Petersburg. Die russische Grenze liegt keine zehn Kilometer entfernt, weshalb hier viel grenzüberschreitende Bewohner auf beiden Seiten der Grenze einkaufen. Deshalb sind alle Strassenschilder sowohl norwegisch als auch russisch beschriftet. Hier am Wendepunkt der Hurtigruten ist es an der Zeit, sich für geeignete Exkursionen zu entscheiden: Wir haben sowohl die Husky Schlittenfahrt als auch die Schneemobil Safari gebucht und uns bei blauem Himmel riesig gefreut. Die Ausflüge selbst waren gut organisiert und laut Programm mit 2 Stunden 45 Minuten getimt. Dass wir schlussendlich bei beiden Programmen nur noch maximal 30 Minuten auf den Schlitten oder Snowmobilen verbringen konnten, trübte das fantastische Erlebnis doch etwas.

Fazit der Nordreise:

Wir hatten mit dem Wetter ausgesprochen Glück. Das hat dazu beigetragen, dass wir sowohl die Schiffsreise, die Landgänge als auch die Ausflüge stimmungsvoll erleben und geniessen konnten. Die vielen fantastischen Bilder, welche wir mit unseren Kameras gemacht haben, werden auch auf unserer organischen Festplatte einen grossen Speicherplatz bekommen. Teil 3 kommt Ende Woche...


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Kontakt: Daniel Jauslin | Unterer Rütschetenweg 25B | CH-4133 Pratteln | blog [at] jauslin.net