• Daniel Jauslin (dja)

Performance und Lifestyle unter freiem Himmel


Die offene Version des Kampfstiers Huracan kombiniert die Technologie und Leistung mit den Emotionen und der Faszination eines Cabriolets.

Alleine schon der Name Lamborghini vergeht auf der Zunge. Der V10 Saugmotor ist fulminant. Der Sound sensationell. Das Getriebe butterweich. Das Aussehen entspricht einer grazienhaften Formvollendung analog der römischen Göttin der Liebe – Venus.

Kommen wir zuerst zum Minuspunkt. Sollten Sie über 180cm messen, lesen Sie bitte den Artikel nicht zu Ende – sonst kann es passieren, dass Sie sich einen Huracan Spyder ordern, aber hinsichtlich der Körpergrösse nicht optimal sitzen könnten. Aber das war der einzige Einwand, welcher im Zusammenhang mit diesem Supersportwagen in die Waagschale geworfen werden kann. Der frei saugende 5,2 Liter-V10-Motor leistet 449 kW / 610 PS des Huracán LP 610-4 Spyder beschleunigt in 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 324 km/h. Er bietet neue Technikfeatures, darunter Cylinder on Demand in Kombination mit einem Stopp & Start-System und eine neue Abstimmung für den elektronisch gesteuerten Allradantrieb, die zu noch besseren Fahreigenschaften führen. Das charakteristische Merkmal des Spyder ist das neue Softtop. Auch mit geschlossenem Verdeck unterscheiden sich die Linien des Cabriolet deutlich vom Design des Coupés. Geschlossen harmoniert das Leichtbau-Stoffverdeck perfekt mit der Silhouette des Fahrzeugs, beim Öffnen verschwindet es in einem kompakten Stauraum. Diese Lösung kommt dem tiefen Schwerpunkt des offenen Huracán zugute und offenbart zugleich die ebenso athletische wie kraftvolle Linienführung des offenen Autos. Der neue automatisch ausfahrende Überrollschutz ist unsichtbar, was der Beibehaltung der flachen Silhouette dient. Per Druck auf eine Taste auf dem Mitteltunnel öffnet sich das neue elektrohydraulische Leichtbau-Stoffverdeck in nur 17 Sekunden bei einer Fahrgeschwindigkeit bis zu 50 km/h. Den Göttern sein Dank. Sowohl bei offenem als auch bei geschlossenem Dach kann der Fahrer das Heckfenster elektrisch betätigen. Geschlossen dient es als Windschott, geöffnet intensiviert es das einzigartige, unüberhörbare Klangbild des V10-Saugers. Bei geöffnetem Dach wird hinter der Fahrgastzelle eine charakteristische Designlösung mit zwei Finnen sichtbar. Beim Öffnen des Daches klappen diese Finnen aus dem Verdeckkasten und definieren die Linie des Fahrzeugs neu. Die Finnen beginnen an der Rückseite der Sitze und führen die Dachlinie zum Heck weiter. Sie unterstreichen die niedrige, kraftvolle Erscheinung des offenen Huracán und verleihen seiner Linienführung speziell in der Seitenansicht einen starken Akzent. Beim Offenfahren tragen sie zur Verringerung der Turbulenzen im Kopfraum bei. Der Spyder ist bei nahezu allen Tempi offen ohne wirkliche störende Turbulenzen fahrbar.

Der Pilot wählt mit dem so genannten ANIMA-Schalter (Advanced Network Intelligence Management) auf dem Lenkrad unter verschiedenen Fahrmodi wählen – von sportlich-dynamisch bis zur extremen Performance. Die Programme „Strada“, „Sport“ und „Corsa“ beeinflussen die Arbeitsweise des Motors, des Getriebes, des Allradantriebs, des Fahrdynamiksystems ESC sowie den Sound. Im Hintergrund arbeitet hier das System LPI (Lamborghini Piattaforma Inerziale). Sechs Sensoren informieren es über die Bewegungen des Autos; die LPI leitet die Informationen blitzschnell an alle fahrdynamisch relevanten Systeme weiter. Den Strada Modus nenne ich „Stealth Mode“: Der Kampfstier wird zahm, nahezu lautlos, ja – fast schon emotionslos gleitet er dahin. Übrigens nur in diesem Modus arbeitet der Tempomat. Also ideal, um ruhig Autobahnkilometer in der Schweiz oder in Österreich unter die Räder zu nehmen. Auf Deutschen Bahnen hingegen ist es ein „Verbrechen“ so emotionslos zu fahren. Wird der Sport Modus gewählt, dann schnellen die Mundwinkel nach oben, Freude ist angesagt, und nebst dem Sound werden auch die Fahreigenschaften eines Supersportwagens abgerufen. Jupiter sei dank. Das Kurvenverhalten in den sanften Hügeln des Basellands (Nordwestschweiz) ist wahrhaftig unerreicht. Die Breitreifen krallen sich in den Asphalt, die Schalensitze halten Pilot und Beifahrer im Auto, und Kurve um Kurve nimmt der kleine Italiener mit Links. Auf Wunsch ist die variable Lenkung LDF (Lamborghini Dynamic Steering) erhältlich, die ihre Übersetzung entsprechend des gewählten Fahrmodus und der gefahrenen Geschwindigkeit ändert. Eine weitere Option ist das magneto-rheologische Dämpfersystem – es passt die Charakteristik der Dämpfer je nach Fahrmodus an die Vorlieben und die Gangart des Fahrers an.

Ein innovatives Cockpit dominiert das Interieur: Das 12,3 Zoll große TFT-Display lässt sich in verschiedenen Modi konfigurieren und bietet dem Fahrer alle wichtigen Informationen in virtuellen Darstellungen, bis hin zur optionalen Navigationskarte. Die Anzeigen sind scharf und brillant – aber mit offenem Verdeck sehr schwer abzulesen – die Effekte liebevoll: die virtuelle Drehzahlmessernadel beispielsweise wird pro Sekunde 60mal berechnet, damit sie auch bei Vollgas absolut flüssig hochläuft. Der Fahrer kann die Funktionen des Displays über die Tasten am Lenkrad steuern – dahinter befinden sich als einzige Bedienelemente die Schalt-Paddles. Die Tasten für das Verdeck und die Heckscheibe sind auf der Konsole des Mitteltunnels, ebenso wie die Start-Taste für das V10-Triebwerk – sie liegt wie in einem Militärjet unter einer roten Abdeckklappe. Die elektrisch einstellbaren Sitze des Huracán Spyder verfügen über eine Steuerung, die eine Berührung mit der Schottwand zum Motorraum ausschließt – und eben Nichtitaliener als Piloten ausgrenzt.

Mit ihrem schlanken Design prägen die Instrumententafel und die zentrale Konsole den eleganten Eindruck des Interieurs. Das mit großer handwerklicher Sorgfalt verarbeitete Innenraum ist von hoher Qualität. Seine prägenden Materialien sind Alcantara und feines Nappaleder, auf Kundenwunsch sind weitere Individualisierungen möglich. Fünf Trims – Standard, Elegante, Sportivo mit Alcantara, Sportivo bicolor mit Alcantara und Sportivo bicolor mit weichem Leder – sowie 17 Interieurfarben stehen zur Wahl.

Fazit: Wer gerne Blicke auf sich zieht – ganz gleich wie man selber aussieht – trifft mit dem wunderschönen Lamborghini Huracan Spyder die richtige Wahl. Denn nebst neidischen Blicken erbt man Hupkonzerte, Daumen hoch Zeichen und Winktiraden von Passanten. Zudem pilotiert man einen Supersportwagen der Sonderklasse. Mit einem weinenden Auge musste ich den Spyder wieder abgeben und ein strahlendes Auge zwinkert mir zu, doch keine Tankstelle kaufen zu müssen.

Facts:

Motor: V-10, 90o, 5205 cm3

Leistung: 610PS/449kW bei 8250 U/Min

Antrieb: Allrad mit hydraulischer Lamellenkupplung

Bremsen: ABS, Carbon-Keramik-Bremsschieben

Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe LDF

0 - 100 km/h: 3.4 s

0 – 200 km/h: 10.2 s

V-Max: 324 km/h

Länge: 4.45 meter

Breite: 1.93 meter

Höhe: 1.18 meter

Gewicht: 1'542 kg

Testverbrauch: < 20 l/100km

Preis: ab EUR 186'450 / CHF 274’000

www: lamborghini.com


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