• Daniel Jauslin (dja)

Reiseprofi und Fussballscout


Chefscout des FC Basel 1893, Ruedi Zbinden übernachtet rund 150 Nächte pro Jahr in Hotels rund um den Globus, immer auf der Suche nach neuen Talenten, welche sich in den Reihen der 1. Mannschaft des amtierenden und wohl künftigen Schweizermeisters optimal einfügen.

Zbinden ist seit 1981 beim FC Basel und seit 2001 vollamtlich als Chefscout des 1893 gegründeten Traditionsvereins tätig. Nach 35 Jahren Mitarbeit ist er, nach Gustav Nussbaumer, erst noch der Dienstälteste in den Reihen des FCB.

Wer so viel unterwegs ist, bringt entsprechend exzellente Reiseerfahrungen mit sich. Ruedi Zbinden stellt sich unseren teils kritischen Fragen:

Daniel Jauslin: Wie viele Talente konnten Sie in Ihrer Karriere dem FCB Vorstand vorstellen und wie viele davon wurden verpflichtet?

Ruedi Zbinden: Das sind natürlich seit 2001 unheimlich viele. Zum Teil konnten wir Spieler verpflichten und zum Teil auch nicht. Die Gründe waren meist entweder finanzielle Überlegungen, oder es waren nicht alle Mitglieder der Technikkommission mit einem Transfer einverstanden. Aber sicher ist, dass ich sozusagen ausnahmslos alle Spieler persönlich getroffen habe, welche dann auch zum FC Basel gewechselt haben.

DJ: Macht Sie Ihre Arbeit stolz, wenn Sie anschliessend erleben, wie Ihre „Schützlinge“ sich in den Reihen des Vereins prächtig hervortun?

RZ: Ja, das bereitet sicher Freude, wenn man sieht, wie sich diese Spieler entwickelt haben – auch später bei anderen Clubs wie zum Beispiel Barcelona. Das ist eine Art positiver Stolz für die Fans und auch für die Clubleitung.

DJ: Multikulturelle Fähigkeiten und Interessen sind in Ihrem Job unabdingbar. Wie erleben Sie Ihre Reisen in eher exotische Regionen unseres Planeten?

RZ: Na gut, ich bin schon so lange in diesem Geschäft, dass es heutzutage nicht mehr gleich spektakulär ist wie früher. Am Anfang meiner Karriere als Scout habe ich vieles erlebt. Man muss schnell lernen, sonst kann es gefährlich werden. Als ich begonnen habe, haben wir zum Beispiel Rossi und Chimenez aus Lugano geholt. Mit diesen beiden Spielern waren wir ausserordentlich zufrieden, auf dem Platz und auch als Persönlichkeiten. Sie haben anderen Spielern geholfen und sich bestens als Teamplayer qualifiziert. Darum habe ich mich vermehrt in Südamerika umgesehen.

DJ: Erzählen Sie uns ein Beispiel?

RZ: Das erste war in Brasilien. Ich wollte dort einen Spieler beobachten und sprechen. Als ich angekommen bin, hat man mir mitgeteilt, seine Mutter wäre verstorben. Aus diesem Grund wird er nicht spielen. Ich bin trotzdem dort geblieben und habe einen anderen Spieler entdeckt, welcher für uns auch sehr interessant war. Ein anderes Erlebnis war das erste Mal in Buenos Aires. Der Agent hätte mich am Flughafen abholen sollen – dazumal haben wir noch mehrheitlich mit Agenten gearbeitet – aber niemand war vor Ort. Mit nur Schweizer Franken in der Tasche war ich auf diese Situation nicht vorbereitet und musste zuerst Geld wechseln. Anschliessend hat mich ein Taxi zum Hotel gefahren. Ich habe den Taxifahrer gebeten auf mich zu warten, denn ich musste nach dem Einchecken sofort an einen Match. Ich musste ihm jedes Mal Geld in die Hand drücken, damit er auch wirklich auf mich wartete. Bei diesem älteren Mann hatte ich einfach ein gutes Gefühl und wollte nur von ihm gefahren werden. Am Stadion angekommen musste er wieder auf mich warten – mit dem entsprechenden Vorschuss natürlich. Ich habe vorab gehört, dass mach in Argentinien in gewissen Quartieren sehr vorsichtig sein muss. Er war tatsächlich nach dem Spiel vor Ort und hat mich sicher ins Hotel gebracht. Anschliessend hatte ich noch mit einem Agenten Kontakt, welcher ausser sich war, dass ich alleine ins Stadion gefahren bin. Seiner Aussage nach hätte ich ohne zuverlässiges Taxi diesen Ausflug nicht überlebt. Ich habe ja nicht immer Angst, aber in diesem Fall hatte ich Glück, dass ich intuitiv gehandelt habe.

DJ: Wie viele Reisen unternehmen Sie in etwa pro Jahr?

RZ: Auch das kann ich so nicht beantworten. Ich besuche drei bis vier Spiele in der Woche, zusätzlich ein bis zwei Juniorenspiele. Mehrheitlich in der Schweiz aber auch regelmässig in Europa. So reise ich zum Beispiel nachmittags nach Athen, sehe mir ein Spiel an und fliege am kommenden Morgen wieder zurück in die Schweiz. Ich bin also mehrheitlich am Reisen.

DJ: An welche Destinationen haben Sie besondere Erinnerungen?

RZ: Japan, Südamerika, Afrika oder Europa. Das spielt mir keine Rolle, denn ich bin wegen dem Fussball dort.

DJ: Was macht aus Ihrer Sicht einen guten Flug aus?

RZ: Das Wichtigste ist ein Direktflug. Wenn immer möglich buche ich so. Jede Stunde weniger auf der Reise oder im Flieger macht mich glücklich.

DJ: Gibt es eine Airline, welche Sie wenn immer möglich zu buchen versuchen?

RZ: Falls möglich nehme ich gerne die SWISS oder Lufthansa.

DJ: Sind Sie auch schon ohne Gepäck an Ihrer Destination angekommen?

RZ: Nein, das kann mir nicht mehr passieren. Ich reise immer nur mit Bordgepäck. Ich kann überall meine Hemden oder die Wäsche waschen lassen – auch für lange Aufenthalte.

DJ: Nach welchen Gesichtspunkten wählen Sie Ihre Hotels aus?

RZ: Zwischen Flughafen, Hotel und Stadion müssen möglichst kurze Wege sein. Ich lese Gäste Rezensionen, betrachte Fotos und habe inzwischen den richtigen Riecher.

DJ: Ich gehe davon aus, dass Sie alle fünf Kontinente besucht haben. Können Sie uns erzählen, auf was Sie bei Ihren Reisen in spezifische Länder besonders achten?

RZ: Gleich welchen Kontinent man besucht, man muss sich entsprechend vorbereiten. Wetter und Temperaturen abklären. Vor allem muss man bei der Ankunft hellwach, sprich aufmerksam sein. Ich beobachte was um mich herum alles passiert. Ich suche mir das Taxi und den Fahrer aus. Ich bin informiert, in welchem Quartier das Hotel liegt. Ich erkundige mich über die Stadt – nicht die Sehenswürdigkeiten sondern auch über mögliche Gefahren. Ich habe immer eine Schlaftablette dabei, damit ich im Flugzeug auch schlafen kann. Somit habe ich fast keinen Jet Lag.

DJ: Können Sie uns von einem schlimmen Ereignis auf Ihren Reisen berichten?

RZ: Zum Glück nicht. Ich bin zum Beispiel in Brasilien ohne Kreditkarte gereist, das Bargeld in den Socken, weil ich kein Geld im Hotel lassen wollte. Einmal, in Buenos Aires, wollten mich ein Motorradfahrer samt Sozius packen. Ich weiss nicht was sie wollten, meine Sonnenbrille oder so. Ich trage keine Uhr, keinen Schmuck und keine auffällige Kleidung. Meist Turnschuhe, Jeans und Polo oder Hemd. Vielleicht war es dazumal wirklich eine schöne Sonnenbrille, die mir fast zum Verhängnis wurde. Man muss sich anpassen. Auf keinen Fall sollte man auffallen.

DJ: Was machen Sie zuerst, wenn Sie in ein Hotelzimmer kommen?

RZ: Fenster auf. Bad und Zimmer inspizieren. Wenn es zum Beispiel nach Rauch riecht, wechsle ich umgehend.

DJ: Können wir über ein konkretes Beispiel einer Reise sprechen: Land, Stadt, Spieler Beobachtung (Scouting), Kontaktaufnahme etc. anhand eines Spielers, welcher anschliessend zum FC Basel wechselte.

RZ: Matias Delgado: Ich war in Südamerika und hatte ein Mittagessen mit Néstor Clausen (früherer Trainer beim FC Sion). Er hat mich gefragt, zu welchem Spiel ich gehen werde. Ich habe erwähnt, dass ich den FC Chacarita ansehen wollte. Er hat mir empfohlen nicht alleine ins Stadion zu geben. Diesen Rat habe ich befolgt. Beim Spiel ist mir eine Szene mit Delgado sehr aufgefallen. Darauf bin ich eine Woche später nochmals ein Spiel mit ihm ansehen gegangen. Aufgrund dieser beiden Spiele habe ich Matias der Clubleitung des FCB vorgestellt.

DJ: Falls Sie anderen Reisenden Tipps geben könnten, auf was man sich beim Reisen besonders achten sollte – was wäre das?

RZ: Man muss sich einfach sehr gut vorbereiten. Die Reise sollte durchdacht sein. Das richtige Hotel buchen. Sich bewusst sein, wo man essen möchte. Genügend Fremdwährung dabei haben. Das alles ergibt Sicherheit und erleichtert die Reise massgebend. Rechtzeitig am Flughafen oder am Event zu sein gibt Ruhe und spart viel Geduld.


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Kontakt: Daniel Jauslin | Unterer Rütschetenweg 25B | CH-4133 Pratteln | blog [at] jauslin.net