• Daniel Jauslin (dja)

Levante GT Hybrid – der mit dem Dreizack


Maserati geht den nächsten Schritt der Elektrifizierung und präsentierte im Herbst 21 den Levante GT Hybrid. Seit 2016 kann Neptun seinen Dreizack ungehemmt in die raue See eintauchen, Maserati hat mit dem Levante die Italienische Herrschaft im Bereich SUV (Sport Utility Vehicle) übernommen. Dieses Modell ist nach einem Wind benannt: Levante, ein warmer mediterraner Luftstrom, der von einem sanften Hauch unversehens zu einem starken Sturm anschwellen kann. Damit beschreibt der Name auch den Charakter dieses Italieners.

In vielfacher Hinsicht nimmt das markante SUV eine Sonderstellung ein, denn es ist nicht nur das erste Sport Utility Vehicle des Labels, sondern ein Erfolgsmodell, das sich innerhalb von gut zwei Jahren bereits zu einem Bestseller in der Modellpalette entwickelt hat. Zudem ist es auch bislang das einzige SUV, welches sich wie ein Maserati fahren lässt und die bedeutende Ausstrahlung der traditionsreichen Sportwagenmarke besitzt. Um diesen hohen Ansprüchen künftig noch besser gerecht zu werden, erhielt der Levante einen Mild-Hybrid in Kombination mit dem 2,0-Liter-Vierzylinder-Verbrennungsmotor und einem 48-Volt-Hybridsystem, welches eine Energierückgewinnung beim Verzögern ermöglicht. Ganz im Einklang mit der eigenen DNA wählte Maserati eine Hybridlösung, welche zentral auf die Beibehaltung eines hohen Leistungsniveaus abzielt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Das drehfreudige Ansprechverhalten des Triebwerks sowie die Fahrleistungen entsprechen beinahe denen des V6-Benziners. Der Testverbrauch liegt mit 10.8l / 100km einiges unter dem des zwei Zylinder grösseren Bruders. Das führt zugleich zu einer erheblichen Senkung von rund 20% des CO2-Ausstosses, was der wirkliche Grund des Motorendownsizing sein muss.

Das 48-Volt-Hybridsystem von Maserati besteht aus vier Bausteinen: Riemen-Starter-Generator (RSG), Batterie, E-Verdichter und DC/DC-Wandler. Der RSG, der als Lichtmaschine fungiert, ermöglicht die Rückgewinnung der Bremsenergie und lädt die im Fahrzeugheck platzierte Batterie, die ihrerseits den E-Verdichter des Motors mit Strom versorgt. Der elektrische Verdichter arbeitet mit dem klassischen Turbolader zusammen. Seine Aufgabe besteht darin, ihn bei der Leistungsentfaltung des Verbrennungsmotors im unteren Drehzahlbereich zu unterstützen. Die Funktionsstrategie des Hybridsystems ist so ausgelegt, dass der E-Verdichter bei Bedarf stets über Batterie oder RSG zur Verfügung steht und sich unter Volllast im Sportmodus im Heck des Fünfmeter Fahrzeugs mächtig unangenehm bemerkbar macht.

Dank 243 kW (330 PS) Höchstleistung und 450 Newtonmeter Drehmoment, das bereits bei 2.250 Touren zur Verfügung steht (90 Prozent davon sogar schon bei 1.750 U/min), können sich die Fahrleistungen des neuen Levante Hybrid absolut sehen lassen: 245 km/h Höchstgeschwindigkeit und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 6 Sekunden. Das hört sich zwar cool an, doch haben wir die von einem Maserati erwartete, atemberaubende Beschleunigung vermisst. Wie die anderen beiden Antriebsvarianten verfügt auch diese Version serienmässig über das intelligente Allradsystem Q4 sowie über ein 8-Gang-Automatikgetriebe aus dem Hause ZF. Neu ist auch, dass alle Modellversionen anstelle der hydraulischen Lenkung das Electric Power Steering (EPS) besitzen. Die Vorteile gegenüber der bisherigen Technik sind besseres Handling on- wie offroad und ein deutlich präziseres Lenkverhalten. Das Alter nagt am Levante der letzten Generation. Es fehlen gänzlich Gadgets wie Lenkradheizung, kabelloses Laden von Smartphones, Headup Display usw.

Die Baureihe wird im Turiner Mirafiori-Werk produziert. Sein cw-Wert von 0,31 setzt ihn an die Spitze seiner Klasse. Der grosszügige Einsatz von Leichtbaumaterialien bringt eine ideale Achslastverteilung im Verhältnis 50:50 und den niedrigsten Schwerpunkt in dieser Klasse. Diese Merkmale verleihen ihm eine beeindruckende Agilität. Unverständlich hingegen ist die Tatsache, dass die Fondpassagiere eine Lederwulst am Gesäss spüren, welche so etwas von unangenehm ist, dass Sitzen hinten zur Qual wird. Welch ein Fauxpas. Ebenfalls ist der Schalter für Blinker und Scheibenwischer am Lenkrad zu weit von diesem entfernt und nur mit Affenfingern wirklich leicht zu schalten.

Der von V6 und 8 Zylinder erwartete, sonore Sound fehlt gänzlich. Zwar tönt er für einen 4 Zylinder ansprechend – aber der Klang eines Maserati ist es bei weitem nicht, sondern er gleicht eher einem Wallach.

Die Eltern von Neptun, Satumus und Ops, freuen sich zu Recht, dass schon im kommenden Jahr der jüngere Bruder namens «Grecale» wieder «state-of-the-art» in ihrem Segment sein wird.


Facts:

Layout: Reihen-Vierzylinder-Benzinmotor

Hubraum: 1.998 cm3

Bohrung x Hub: 84 x 90 mm

Maximale Leistung: 243 kW (330 PS) bei 5.750 U/min

Maximales Drehmoment: 450 Nm bei 2.250 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 245 km/h

Beschleunigung 0-100 km/h: 6,0 s

Länge x Breite x Höhe: 5.005 x 1.981 x 1.693mm

Radstand: 3.004 mm

Leergewicht: 2.090 kg

Kofferraumvolumen: 580 l

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